|
In eigener Sache
Gebunden an den Raum, der zwischen Geburt und Tod liegt, male und schreibe ich, was mich bewegt. Aber die Zeit verrinnt; und innerhalb dieses (Zeit-)Lebensraums kann ich nur in Einzelfällen sicher sein, dass
die eigene Leistung ihren vollen Umfang und ihr Ziel erreicht hat. Die störenden Einflüsse von außen sind es, die verhindern, dass Leistungen bis zu ihren letzten Möglichkeiten vorangetrieben werden.
Die Zeit wird immer weniger, aber ich habe immer mehr zu sagen, weil Erfahrungen sich häufen und die Gedankenwerkstatt überquillt von Ereignissen, die man durchlebt hat. Man muss arbeiten: schreiben oder
malen, was auch immer den schöpferischen Impuls auslöst. Man sollte nehmen, was kommt, etwas Neues daraus formen und es weiterreichen. Die Zeit und die Umwelt sind die Faktoren, die entscheiden, welche Spuren verwischt werden
und welche überdauern. Der Urheber tritt zurück; was er zu sagen hatte, hat er getan. Wer empfänglich ist für die feinsten Strukturen, dem drängen sie sich auf, und mit der persönlichen Dynamik wird der Zufall zu etwas
Gewolltem: etwas, das in einem drin war, vorformuliert war, und das nun hervorbricht: die Verschmelzung des Unbewussten mit dem Bewusstsein.
Kunst muss nicht erklärt werden, sie muss aufrühren. Sie ist also nicht frei. Kunst und Freiheit müssen gewaltsam in Besitz genommen werden, um sie gegen eingefahrene Denkklischees anzuwenden. Nicht tradierte
Regeln, nicht die Welt sind das Maß für den Künstler, sondern die Autonomie künstlerischer Freiheit.
Ich nehme mir das Recht auf freien Ausdruck, wo immer es nötig ist. Was ich versuche, ist eine emotionale Deutung der Welt: nicht dem Anspruch unterliegen, Idealisiertes zu gestalten, Überhöht-Schönes
darzustellen. Das Nur-Ästhetische ist nichts weiter als die Verdrängung, die Vernebelung einer schrecklichen Realität, für die alle verantwortlich sind, und sie führt zur Bewusstseinsspaltung, die die zwei Seelen im Menschen
sichtbar macht: diese Janusköpfigkeit. Das Chaos um uns findet sich schließlich auch in uns. In Anlehnung an Gertrude Stein: Das Wort ist das Wort ist das Wort – was dargestellt und geschrieben wird, liegt manchmal außerhalb
des menschlichen Lebens und hat seine eigene Bedeutung.
(c) Eberhard Schmidt-Dranske
|